Labrador Retriever: Typische Erkrankungen und wie du vorbeugst

24. Oktober 2026 · Rasse: Labrador Retriever

Labrador Retriever im Foto

Labrador Retriever gelten als robuste Hunde, trotzdem treten bei ihnen einige Erkrankungen gehäuft auf: Gelenkprobleme, Übergewicht, Ohrentzündungen und erbliche Augenleiden. Vieles lässt sich nicht garantiert verhindern, aber mit der richtigen Zuchtwahl, einem schlanken Hund und regelmäßigen Kontrollen kannst du das Risiko spürbar beeinflussen.

Gelenke: HD und ED im Alltag erkennen

Bei der Hüftgelenksdysplasie (HD) sitzt der Oberschenkelkopf nicht sauber in der Hüftpfanne, bei der Ellbogendysplasie (ED) entwickeln sich die Gelenkanteile im Ellbogen unterschiedlich. Beide Erkrankungen sind erblich mitbedingt, aber auch Gewicht, Wachstumstempo und Belastung spielen eine Rolle. Typische Hinweise:

  • Dein Labrador steht nach dem Liegen steif auf und braucht einige Schritte, bis er „rund“ läuft.
  • Er zögert beim Springen ins Auto oder beim Treppensteigen.
  • Beim Rennen bewegt er die Hinterbeine auffällig gleichzeitig (sogenannter „Hasensprung“).
  • Eine Vorderpfote wird immer wieder entlastet oder die Ellbogen werden nach außen gedreht.

Das sind nur Hinweise, keine Diagnose. Ob tatsächlich ein Gelenkproblem vorliegt, klärt die Tierarztpraxis, meist mit einer Röntgenuntersuchung. Für den Kauf eines Welpen gilt: Frag nach offiziellen HD- und ED-Befunden beider Elterntiere und lass dir die Ergebnisse zeigen.

Übergewicht: der größte vermeidbare Risikofaktor

Kaum eine Rasse nimmt so leicht zu wie der Labrador. Jedes überschüssige Kilo belastet Gelenke, Herz und Kreislauf zusätzlich. Mach deshalb den Rippentest: Du solltest die Rippen unter einer dünnen Fettschicht gut ertasten können und von oben eine erkennbare Taille sehen. Wiege deinen Hund alle paar Wochen und notiere das Gewicht. Einzelne Labradore tragen nach aktuellem Kenntnisstand eine Genvariante, die mit stärkerem Appetit zusammenhängt, das erklärt manches „Dauerbetteln“. Es entbindet dich aber nicht von der Mengenkontrolle.

Labrador Retriever im Foto
Foto: Sharon Snider / Pexels

Ohren und Augen im Blick behalten

Die Hängeohren und die Wasserliebe machen Ohrentzündungen wahrscheinlicher. Achte auf Kopfschütteln, häufiges Kratzen, Rötung, dunklen Ausfluss oder unangenehmen Geruch. Trockne die Ohren nach dem Schwimmen sanft ab und stochere nie mit Wattestäbchen im Gehörgang. Bei wiederkehrenden Beschwerden steckt oft eine Ursache dahinter, die die Praxis abklären sollte.

Bei den Augen ist vor allem die Progressive Retina-Atrophie (PRA) bekannt, ein erblicher, schleichender Verlust der Sehkraft. Ein frühes Zeichen kann Unsicherheit in der Dämmerung sein. Seriöse Züchter lassen die Augen ihrer Zuchttiere augenärztlich untersuchen und nutzen, je nach Linie, Gentests. Bei manchen Labradoren ist außerdem eine erbliche Belastungsintoleranz beschrieben (Fachbegriff EIC), bei der Hunde nach starker Aufregung und Anstrengung plötzlich schwach in den Hinterbeinen werden. Sprich bei Auffälligkeiten mit der Praxis, auch über mögliche Gentests.

Weitere Themen: Haut, Zähne und Kreuzband

Labradore lieben Wasser, und feuchtes Fell kann Hautreizungen begünstigen. Kontrolliere beim Bürsten die Haut auf Rötungen, kahle Stellen oder Schuppen und trockne den Hund nach dem Baden ab. Auch die Zahnpflege wird oft vergessen: Regelmäßiges Zähneputzen und die Kontrolle auf Zahnstein beugen Entzündungen im Maul vor. Bei sportlichen, kräftigen Hunden kommen außerdem Bänderverletzungen im Knie vor, etwa ein Kreuzbandriss. Ein plötzliches Humpeln nach wildem Spiel, bei dem der Hund das Bein kaum belastet, solltest du nicht abwarten, sondern zeitnah abklären lassen. Ein trainierter, schlanker Körper schützt die Gelenke am besten.

Checkliste: Wann gehst du zum Tierarzt?

Sofort (auch nachts oder am Wochenende, notfalls Tierklinik):

  • Aufgetriebener, harter Bauch, Würgen ohne Erbrechen, große Unruhe
  • Kollaps, Atemnot oder Krampfanfall
  • Verdacht auf Vergiftung, etwa nach Schokolade, Weintrauben oder Rattengift

Zeitnah (in den nächsten Tagen):

  • Lahmheit, die länger als zwei bis drei Tage anhält oder immer wiederkehrt
  • Ohrenbeschwerden, trübe oder gerötete Augen
  • Deutlicher Gewichtsverlust oder -zunahme, ungewöhnlich großer Durst
  • Neue Knoten oder Schwellungen, die nicht wieder verschwinden

Vorsorge im Hundeleben: ein Fahrplan

  • Welpenzeit: Impfungen und Entwurmung mit der Praxis abstimmen, langsam wachsen lassen, keine Dauerbelastung auf hartem Boden, kein Treppen-Dauerlauf.
  • Etwa ab dem ersten Geburtstag: Mit der Praxis besprechen, ob und wann Röntgen für HD und ED sinnvoll ist, vor allem wenn du den Hund in den Hundesport oder die Zucht bringen möchtest.
  • Erwachsener Hund: Einmal jährlich Gesundheitscheck, Gewicht, Zähne, Ohren und Haut kontrollieren; Parasitenschutz nach tierärztlicher Beratung.
  • Ab etwa sieben Jahren: Check-ups häufiger (oft halbjährlich), bei Bedarf Blutbild und Herzcheck, Gelenke gezielt schonen und Bewegung dosieren statt streichen.

Häufige Fragen

Ist jeder Labrador von HD betroffen?

Nein. HD kommt in der Rasse häufiger vor, viele Hunde sind aber frei oder nur leicht betroffen. Gute Zuchtauswahl, schlanke Figur und angepasste Bewegung senken das Risiko für starke Beschwerden.

Wie bewege ich meinen Labrador gelenkschonend?

Regelmäßige, gleichmäßige Spaziergänge und Schwimmen sind meist gut verträglich. Vermeide beim jungen Hund exzessives Ballwerfen mit abruptem Stoppen und Springen sowie lange Treppenläufe. Passe das Pensum immer an Alter und Befund an.

Reicht ein Check pro Jahr?

Für gesunde erwachsene Hunde ist das meist ein guter Rhythmus. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen oder im Seniorenalter legt die Praxis kürzere Abstände fest.

Alle Grundlagen zu Wesen, Haltung und Pflege findest du im Labrador-Retriever-Steckbrief. Dort siehst du auch, welche Eigenschaften den Alltag mit dieser Rasse prägen.

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Der Labrador gilt als Inbegriff des freundlichen Familienhundes: arbeitswillig, kinderlieb und fast immer gut gelaunt.

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