Ein Labrador ist pflegeleicht, aber nicht pflegefrei: Mit wöchentlichem Bürsten, einem Blick in Ohren und Maul und regelmäßiger Krallenkontrolle bist du gut aufgestellt. Entscheidend ist die Routine, denn Auffälligkeiten erkennst du nur, wenn du deinen Hund regelmäßig von der Nase bis zur Rute anfasst.
Fell: kurz, dicht und fast immer im Haaren
Das Labrador-Fell besteht aus kurzem, festem Deckhaar und einer dichten, wasserabweisenden Unterwolle. Es haart das ganze Jahr, im Frühjahr und im Herbst besonders stark. Einmal pro Woche gründlich bürsten genügt in der Regel, im Fellwechsel lohnt sich eine kurze Runde alle zwei bis drei Tage. So gehst du vor:
- Beginne mit einem Gummistriegel oder einer Bürste für kurzes Haar und arbeite in Wuchsrichtung.
- Löse danach lose Unterwolle mit einem Unterwollkamm, ohne fest aufzudrücken, vor allem nicht über Rippen und Hüftknochen.
- Taste dabei den ganzen Körper ab: Haut, Zecken, Knoten, Schuppen, kahle oder gerötete Stellen.
- Bürste am besten draußen oder auf einer abwaschbaren Unterlage, sonst landen die Haare überall.
Scheren oder Trimmen ist nicht nötig. Die Unterwolle schützt vor Nässe und Kälte, deshalb gehört das Fell nicht unter die Schermaschine.
Baden: seltener, als du denkst
Labradore schmutzen oft von allein ab, sobald der Schlamm getrocknet ist. Meist reicht klares Wasser. Nimm nur bei starker Verschmutzung oder Geruch ein mildes Hundeshampoo, denn Menschenshampoo ist nicht auf die Hundehaut abgestimmt. Zu häufiges Baden kann Haut und Fell austrocknen. Nach dem Schwimmen im Naturgewässer trocknest du deinen Hund gründlich ab, besonders Achseln, Leisten und Ohren. Ein deutlich muffiger oder öliger Geruch, Schuppen und anhaltendes Kratzen gehören dagegen in die Tierarztpraxis.
Ohren: Kontrolle statt Putzaktion
Schau einmal pro Woche in beide Ohren. Gesund sind eine helle, trockene Innenseite, höchstens wenig hellbraunes Ohrenschmalz und kaum Geruch. Nach dem Schwimmen trocknest du die Ohrmuschel mit einem weichen Tuch. Reinige nur sichtbaren Schmutz an der Muschel, niemals mit Wattestäbchen im Gehörgang. Einen Ohrreiniger setzt du am besten erst nach Rücksprache mit der Praxis ein. Warnsignale sind Kopfschütteln, Schiefhalten des Kopfes, Kratzen, Rötung, Schwellung, gelber oder dunkler Ausfluss und Geruch. Warum die Hängeohren dieser Rasse anfälliger sind, liest du im Gesundheitsartikel zum Labrador.

Zähne: Schritt für Schritt ans Putzen gewöhnen
Aus Belag wird Zahnstein, daraus kann eine Zahnfleischentzündung werden. Ideal ist tägliches Putzen, mehrmals pro Woche ist aber schon deutlich besser als nie. Gewöhne deinen Hund in kleinen Schritten daran:
- Hebe kurz die Lefzen an und belohne sofort.
- Lass ihn an einer Zahnpasta schlecken, die ausdrücklich für Hunde gedacht ist.
- Reibe mit dem Finger oder einem Fingerling über die Außenseiten der Zähne.
- Wechsle erst danach zu einer weichen Hundezahnbürste und putze vor allem die hinteren Backenzähne von außen.
Kauartikel ergänzen das Putzen, ersetzen es aber nicht. Sehr harte Knochen oder Geweihstücke können Zähne beschädigen. Starker Mundgeruch, gerötetes Zahnfleisch, Speicheln oder einseitiges Kauen sind Gründe für einen Praxisbesuch. Zahnstein entfernt die Tierarztpraxis, nicht du zu Hause.
Krallen und Pfoten
Wer viel auf Asphalt läuft, nutzt die Krallen ab, wer vor allem auf Wiese und Waldboden unterwegs ist, oft nicht. Klackern die Krallen auf Fliesen, wird es Zeit. Im Stand sollten sie den Boden kaum berühren. Kürze lieber öfter ein kleines Stück mit einer Krallenzange als einmal viel. Bei hellen Krallen siehst du das rosa Blutgefäß, bei dunklen schneidest du in winzigen Schritten und hörst auf, sobald im Anschnitt ein dunkler Punkt in der Mitte sichtbar wird. Bist du unsicher, lass dir den Umgang mit der Zange einmal in der Praxis zeigen. Prüfe auch die Wolfskrallen an der Innenseite der Vorderläufe, falls vorhanden: Sie nutzen sich kaum ab und können einwachsen.
Kontrolliere zudem die Ballen auf Risse, Splitter und Grannen, schau zwischen die Zehen und spüle die Pfoten nach Streusalz ab.
Dein Pflegeplan auf einen Blick
- Täglich: Nassen Hund abtrocknen, Pfoten und Ohren kurz ansehen, im Fellwechsel einmal durchbürsten.
- Wöchentlich: Gründlich bürsten, Ohren kontrollieren, Zähne mehrmals putzen, Haut abtasten.
- Alle zwei bis vier Wochen: Krallenlänge prüfen und bei Bedarf kürzen.
- Bei Bedarf: Baden nur bei starkem Schmutz oder Geruch.
Typische Fehler
- Das kurze Fell unterschätzen: Ohne Bürsten landen die Haare auf Sofa und Kleidung.
- Zu oft shampoonieren und so die Haut reizen.
- Mit Wattestäbchen im Ohr arbeiten.
- Menschenzahnpasta verwenden.
- Pflege nur dann beginnen, wenn etwas auffällt, statt sie als tägliches Ritual mit Leckerli aufzubauen.
Häufige Fragen
Muss mein Labrador zum Hundefriseur?
Nein. Für das kurze Fell reichen Bürste und Striegel. Ein Besuch im Hundesalon ist höchstens zum Auskämmen im Fellwechsel eine Option, scheren solltest du nicht.
Mein Labrador verliert plötzlich viel mehr Haare. Ist das normal?
Im Fellwechsel ja. Kahle Stellen, Schuppen, Juckreiz oder ein stumpfes, dünner werdendes Fell außerhalb dieser Zeiten solltest du in der Praxis abklären lassen.
Ab wann gewöhne ich einen Welpen an die Pflege?
Ab dem ersten Tag, in winzigen Einheiten. Kurzes Bürsten, Pfoten- und Ohrenberührung und ein Blick ins Maul, jeweils mit Belohnung, machen spätere Routine einfach.
Wesen, Haltung und weitere Eigenschaften der Rasse findest du im Labrador-Retriever-Steckbrief.

